Stadtpalais Walderdorffer Hof – Limburg

Vergangenheit sollte erhalten bleiben, wenn sie so wertig ist wie der „Walderdorffer Hof“. Das mehr als 350 Jahre (2015) alte Gebäude drohte zu verfallen, weil sich kein Käufer für eine denkmalgerechte Instandsetzung fand.


Reinhard und Sonja Ernst übernahmen das Gebäude in Limburg 1989 nicht zuletzt deshalb, weil sie sich der Stadt als Standort ihrer Unternehmen besonders verbunden fühlen. Das Gebäude wurde gründlich saniert und für Geschäfts- und Büroräume nutzbar gemacht. Es gehört heute zum Immobilienbesitz der Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung.
 

Ort Limburg
Land Deutschland
Jahr ca. 1665
Status fertig
Architekt            Giovanni Angelo Barella
   



Die Geschichte Limburgs und des Walderdorffer Hofes

Ein Stift und eine Burganlage am Südwesthang bilden den Ursprung von Limburg an der Lahn. Im 12. Jahrhundert erwuchs um den Komplex samt Stiftskirche eine Stadt, die von den bedeutenden Handelsrouten profitierte, die sich hier kreuzten. Im Westteil der Stadt, wo eine steinerne Brücke über die Lahn führt und der Handelsverkehr Norden und Süden verband, liegt die Fahrgasse. Im Spätmittelalter entstand an dieser günstigen Lage eine – für Limburger Verhältnisse – stattliche Hofanlage. Sie gilt als „Keimzelle“ des Walderdorffer Hofes. Der Hofturm aus dem Jahr 1350 ist bis heute erhalten und ein prägender Bestandteil der Limburger Silhouette.

Erstmals erwähnt wird die Anlage im Jahre 1435 als Sitz unterschiedlicher Familien, zunächst des Händlers Eschenauer (1435), später des Adeligen von Diez. Indem sich Eva von Diez mit Philipp von Walderdorff (1507–1556) aus dem nahen Westerwald vermählte, gelangte der Hof in den Besitz der Walderdorffer (1539/40). 1559 kaufte Eva von Diez ein Gebäude mit Stallungen hinzu, um dort ein Brauhaus einzurichten. 

Die Walderdorffer waren zunächst in den Freiherren-, später in den Grafenstand erhoben worden. Maßgeblich für den Ausbau des Walderdorffer Hofes in Limburg waren Wilderich von Walderdoff (1617–1680), Fürstbischof von Wien, und sein Bruder Johann Phillipp (1620–1689), Domherr von Speyer und Trier. Als Folge der Reformation erlebte die Familie im katholisch gebliebenen Limburg die Machtkämpfe zwischen dem Trierer Erzbischof und den nassauischen Landgrafen mit. Trotzdem weiteten die Brüder ihren Besitz in der Fahrgasse aus und erbauten dort ein Adelspalais: den Walderdorffer Hof.



Es begann mit dem Zukauf drei umliegender Parzellen. So entstand ein inselartiges Areal, allseits von Gassen abgegrenzt. 1665 begann der Bau der neuen Anlage, in die der spätmittelalterliche Wohnturm und verschiedene Keller einbezogen waren. Mit den Arbeiten beauftragte Johann Philipp vornehmlich italienische Baumeister: 

Die Bauplanung hatte Antonio Rigi inne. Der Festungsbaumeister prägte die harte Formensprache der repräsentativen Vierflügelanlage, die sich mit hohen Mauern fast wehrhaft von den umliegenden Straßenzügen abgrenzt. Die Bauaufsicht lag in den Händen von Bartolomeo Banizo, die Bauausführung übernahmen der Steinmetzmeister Giovano Angelo Barella sowie der Maurermeister Johann Maus aus Limburg. Die Baukosten summierten sich auf den immensen Betrag von mehr als 13.500 Florin – eine mittelalterliche Goldmünze – und etliche Mengen Korn.

So entstand ab dem Jahr 1665 in dreijähriger Bauzeit eine malerische Anlage, stilistisch vom Übergang der Spätrenaissance zum Frühbarock geprägt. Der Adelssitz bestand nun aus einem Vierflügelhof, dem sich an der Nordseite ein Wirtschaftshof samt Stallungen und Scheunen anschloss. Beide Höfe waren zur Straßenseite hin durch große Portale zu erreichen. Das reich verzierte Tor zum Wohnhof trägt eine lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet:


„Dieses Haus, das durch die Unbill und Ungunst der Zeiten sowie der Kriege einzustürzen drohte, haben Urgroßvater, Großvater, Vater und Kinder bewohnt. Damit es die Brüder und Neffen wieder bewohnen können, hat es Herr Wilderich Freiherr von Walderdorff, der Heiligen Kaiserlichen Majestät Hofrat, des Heiligen Römischen Reiches Vizekanzler, der erzbischöflichen Kirche zu Mainz sowie der Bischofkathedralen zu Würzburg und Speyer Propst bzw. Kapitularkanoniker, auf eigene Kosten von Grund auf neu errichten lassen. Die Arbeit und Bauleitung übernahm Herr Johann Philipp, Archidiakon von Sankt Lubentius in Dietkirchen, Herr auf Isenburg und Molsberg.“



In den folgenden Jahrhunderten diente der Hof nur selten als Wohnsitz der umtriebigen Familie, deren männliche Mitglieder zahlreiche hohe Ämter ausübten. Zwar ließ sich Johann Phillipp ein Fürstenzimmer einrichten, vor allem lebten jedoch die ledig gebliebenen Schwestern dort. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nutzte der nassauische Staatsminister Carl Wilderich von Walderdorff den Hof.

In den folgenden Jahrzehnten wurden die Gebäude mehrfach vermietet, unter anderem dienten sie den Pallottinern, einer Gesellschaft apostolischen Lebens in der römisch-katholischen Kirche, als erster Sitz in Deutschland.




 

 

 

Das Gebäude

Der eindrucksvolle Gebäudekomplex hebt sich im Stadtbild Limburgs klar ab und wartet dank der aufwendigen Renovierung durch die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung mit einzigartigen Details auf. Das mächtige Dach und der Wohnturm prägen noch heute die Stadtsilhouette Limburgs entscheidend mit.

Die Straßenfront des Walderdorffer Hofes ist in den unteren Bereichen massiv gemauert. Dort könnten noch mittelalterliche Bebauungsteile erhalten sein. Hauptschmuck der schlichten Fassade an Fahr- und Löhrgasse sind zwei Kastenerker, die Ende des 17. Jahrhunderts angefügt wurden und beide das Walderdorffer Wappen mit einem nach rechts steigenden Löwen tragen. Der Wohnhof wird von zwei schmaleren Flügeln mit hohen Arkaden flankiert, hinter denen zwei offene hölzerne Spindeltreppen die Obergeschosse erschließen – hier ist die höchste, aus einem Stamm gefertigte Spindeltreppe Deutschlands zu finden.

Die Familie von Walderdorff lebte und repräsentierte vornehmlich im dreigeschossigen Nordwestflügel. Von außen sind gekuppelte Fenster in den schlichten Werksteingewänden zu sehen. Eine massive doppelläufige Treppe unter einem Kreuzgratgewölbe mit Stuck führt zu den oberen Geschossen. Bemerkenswert ist das massiv gemauerte Muldengewölbe im Obergeschoss. Das mächtige, dreifach unterteilte Dach mit hohen Standgauben und die Haubenlaterne des im Kern spätmittelalterlichen Turmes fertigte 1666 der Zimmermeister Peter Widerholt, die Dachdeckerarbeiten übernahm Meister Arnt Lindig. Zum Abschluss erhielt der Turmhelm eine drei Meter lange Fahnenstange mit einem kupfernen Marienbild und einem Knopf, in den man eine lateinische Widmung und eine Bleikapsel mit Reliquien legte.

Der von zweigeschossigen Remisen, Stall- und Scheunenbauten umschlossene Wirtschaftshof ist durch ein ursprüngliches Holzportal zugänglich. Im Nordwesten der Hofanlage stand ein Haus mit Stall, welches dem Limburger Schultheißen Johann Staudt gehörte und später zum Brauhaus umfunktioniert wurde. Dort entstand ein Wirtschaftsgebäude mit großem Torbogen und Wappen. Das untere Stockwerk mit Kreuzgewölbe, welches auch direkt von der Löhrgasse aus zugänglich war, diente gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Schmiedewerkstatt.

1959 erfolgte eine erste Sanierung des inzwischen baufälligen und teilweise eingestürzten Hauptgebäudes. Bis zum Jahr 1989 blieb die Hofanlage im Besitz des Grafen von Walderdorff. 

Reinhard Ernst erwarb das Barockpalais, überführte es in den Besitz seiner Stiftung und sorgte so für dessen grundlegende Sanierung – und sicherte damit den Erhalt des historischen Gebäudes. Heute sind die Räumlichkeiten als hochwertige Büros vermietet.


Quellen und weiterführende Links:
 

Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Stadt Limburg

Wikipedia