»Haus der Hoffnung« – »Kibo no le« in Natori, Japan

Das Seebeben vor der Küste Japans im Jahr 2011 löste gleich mehrere Katastrophen aus. Durch die Flutwelle kamen über 16.000 Menschen ums Leben. Der Tsunami überflutete in Japan eine Küstenfläche von 470 Quadratkilometern. Das Beben löste an den Küsten vor Sendai und Sanriku bis zu 10 m (lokal bis zu 38 m) hohe Flutwellen aus, die einen bis zu 10 km breiten Küstenstreifen über hunderte von Kilometern Länge verwüsteten.

Für uns war dies ein großer Schock auch und insbesondere vor dem Hintergrund unserer langjährigen Verbindungen zu Japan und der damit entstandenen persönlichen Freundschaften. Es stand für uns fest, dass wir hier helfen mussten. Wir kamen gemeinsam mit einem Freund, dem Architekten Fumihiko Maki, auf die Idee, ein »Haus der Hoffnung« zu bauen. Vor allen Dingen, um den vielen alten Menschen und Kindern, die nicht nur ihre Liebsten, sondern auch ihr Hab und Gut verloren hatten, einen Ort der Begegnung anzubieten. Es sollte eine Begegnungsstätte entstehen, in der die Betroffenen Mut, Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft »tanken« und die Vergangenheit gemeinsam aufarbeiten können.

Die Entwicklung des Projekts

Die Bilanz der Katastrophe in der Stadt Natori mit 80.000 Einwohnern war erschreckend: 911 Tote, 879 identifiziert von Familien, 71 Vermisste, 12.491 beschädigte Privathäuser, 1.104 provisorische Unterkünfte insgesamt, 5.397 darin lebende Menschen.

Hunderte von Familien, alten Menschen und Kindern leben heute noch in provisorischen Unterkünften, »Containerstädten« gleich. Das Leben der Menschen dort findet in winzigen Wohnungen statt, in denen es keinerlei Möglichkeiten gibt, sich zusammenzusetzen und miteinander zu sprechen. Inbesondere alte Menschen, die oft alles verloren haben, sehnen sich danach, ihre Gedanken auszutauschen und über ihr Unglück reden zu können. Aufgrund seiner langjährigen Verbundenheit mit dem Land Japan und den dort lebenden Menschen entschloss sich das Stifter-Ehepaar für die, die alles verloren haben, ein solches Begegnungszentrum zu ermöglichen.

Das Gebäude sollte neben der Möglichkeit des Austausches und des gemeinsamen Kochens und Essens auch speziell den Kindern Möglichkeiten bieten: Von Kindern im Kindergartenalter, die unter Aufsicht spielen und schlafen, bis hin zu Kindern im Grundschulalter, die ihre Hausaufgaben erledigen können. Das Zusammensein von Jung und Alt wurde mit dem Gebäude ermöglicht, das somit ein Segen für die von diesem großen Unglück betroffenen Menschen ist.

Das von uns zur Verfügung gestellte Gebäude wurde zu einer Stätte der Begegnung. Planung und Bauleitung übernahm der weltberühmte Architekt Fumihiko Maki (Pritzker-Preisträger und Architekt des »4 World Trade Center« auf »Ground Zero« in New York), ein Freund des Stifter-Ehepaares. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, seine Erfahrungen und seine Zeit kostenlos in unser Projekt einzubringen, weil er, wie auch die Stadtväter von Natori, unser Vorhaben für eine großartige Sache hielten. Betrieben wird das Zentrum nun von der Kommune. Die Kosten beliefen sich auf ca. 1,5 Millionen Euro.

Bisherige Architektur­rezensionen:

MAKI AND ASSOCIATES,
2012
SHIN­KEN­CHI­KU,
2013
Nikkei Architecture Special,
2013
SMALL ARCHI­TEC­TURE NOW!,
2014

 

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